Es ist vermutlich das meistfotografierte Motiv Südtirols: ein barockes Kirchlein mit Zwiebelturm, davor eine Bergwiese, dahinter die zackige Silhouette der Geislerspitzen. Das Kirchlein St. Johann in Ranui bei St. Magdalena im Dolomitental Villnöss steht auf jeder zweiten Südtirol-Postkarte – und genau deshalb lohnt es sich, vor dem Besuch ein paar Dinge zu wissen. Denn Kirche und Wiese sind Privatbesitz, das Innere bleibt geschlossen, und die Parkplätze im Talschluss sind streng geregelt.
- Ort
- St. Johann 2, 39040 St. Magdalena / Villnöss (Südtirol)
- Höhe
- ca. 1.350 m
- Erbaut
- 1744, gestiftet von Bergwerksbesitzer Michael von Jenner
- Patrozinium
- Hl. Johannes von Nepomuk
- Zugang
- Wiese gebührenpflichtig (ca. 4 €), Kircheninneres in der Regel geschlossen
- Kostenlos
- Aussichtspunkt an der Straße oberhalb
So kommst du hinAnfahrt
Mit dem Auto
Der schnellste Weg führt über die Brennerautobahn A22 bis zur Ausfahrt Klausen. Von dort bleibst du rund zwei Kilometer auf der Straße Richtung Brixen und biegst dann rechts ins Villnösstal ab. Anschließend einfach der Beschilderung über St. Peter und St. Magdalena folgen – nach St. Magdalena kommt der Weiler Ranui, kurz darauf endet die Straße am Parkplatz Zans. Eine gute Übersicht zur Anfahrt in den Talschluss bietet die Beschreibung zum Naturpark Puez-Geisler.
Fahrzeit ab Brixen: gut 30 Minuten. Ab Bozen rund eine Stunde. Die Straße ist ganzjährig befahrbar, im Winter aber schmal und teilweise vereist – Winterausrüstung ist Pflicht.
Mit Bahn und Bus
Villnöss lässt sich sehr gut ohne Auto erreichen, was in der Hochsaison klar die entspanntere Variante ist. Alle IC- und EC-Züge halten in Brixen, Regionalzüge zusätzlich in Klausen. Von beiden Bahnhöfen bringen dich öffentliche Busse ins Tal – die offizielle Anreiseseite des Tourismusvereins fasst die Optionen zusammen.
- Linie 330: Brixen – Mileins – Villnöss
- Linie 331: Klausen – Mileins – Teis
- Im Sommer fahren Busse im Stundentakt bis in den Talschluss nach Zans und bedienen dabei auch alle Parkplätze.
Aktuelle Fahrpläne findest du bei Südtirolmobil – als Ziel einfach „St. Magdalena (Villnöss)“ oder „Zanser Alm“ eingeben. Die passende Haltestelle für das Kirchlein heißt Ranui; von dort sind es nur etwa fünf Gehminuten.
Zu Fuß oder mit dem Rad
Von Ranui führt ein durchgehend markierter Weg in etwa 1 bis 1,5 Stunden großteils im Wald hinauf nach Zans – rund 300 Höhenmeter. Radfahren ist auf dieser Strecke erlaubt, mit dem E-Bike ist der Anstieg gut zu schaffen. Rücksicht auf Fußgänger versteht sich von selbst.
Wo das Auto hin darfParken
Im Talschluss gilt ein durchdachtes System, weil die Parkflächen an schönen Sommer- und Herbsttagen an ihre Grenzen stoßen. Wichtig zu verstehen: Der große Parkplatz Zans ist nicht der Parkplatz fürs Kirchlein. Wer nur das Kirchlein sehen will, parkt in Ranui.
| Parkplatz | Tagestarif Pkw | Camper | Gut für |
|---|---|---|---|
| Ranui | ca. 5 € | ca. 16 € | Kirchlein, Fotostopp, Talwanderungen |
| Zans | ca. 10 € (online ca. 12 €) | ca. 16 € | Geisleralm, Adolf-Munkel-Weg, Naturpark |
| Putzen & Filler (St. Magdalena) | siehe Aushang | – | Ausweichparkplätze bei Andrang |
Für alle Parkplätze gilt zwischen 21:00 und 07:00 Uhr ein Nachttarif von rund 40 € pro Fahrzeug. Übernachten im Camper ist dort also weder vorgesehen noch günstig.
Das Ampelsystem
Schon in St. Magdalena bzw. Ranui zeigt eine Parkplatz-Ampel an, ob in Zans noch Plätze frei sind:
- Grün – du kannst bis Zans weiterfahren und dein Ticket vor Ort lösen.
- Rot – Zans ist voll. Die Weiterfahrt ist dann nur noch mit Online-Reservierung möglich; alle anderen weichen auf Ranui, Putzen oder Filler aus und fahren mit Bus, Rad oder zu Fuß weiter.
Ein begrenztes Kontingent an Stellplätzen in Zans lässt sich vorab buchen – Infos dazu auf der Seite der Gemeinde Villnöß zur Online-Reservierung. Ist online nichts mehr verfügbar, heißt das übrigens nicht automatisch, dass der Parkplatz voll ist.
Bitte nicht am Straßenrand parken. Die Zufahrtsstraße ist schmal und muss für landwirtschaftliche Fahrzeuge, Anrainer und Rettungsdienste frei bleiben. Wild abgestellte Autos werden im Villnösstal konsequent verwarnt und abgeschleppt – und sie sind der Hauptgrund, warum die Regeln von Jahr zu Jahr strenger werden.
Was du dir ansehen solltestSehenswürdigkeiten
Das Kirchlein St. Johann in Ranui
Die kleine Barockkirche mit dem markanten Zwiebelturm gehört zum geschlossenen Hof von Ranui. Die Fassadeninschrift nennt Michael Jenner und das Jahr 1744 – kurios daran: Jenner war zu diesem Zeitpunkt bereits über zwanzig Jahre tot, seine Nachkommen haben die Inschrift vermutlich aus Pietät angebracht. Details dazu hat die Gemeinde Villnöß zusammengetragen.
Im Inneren – das man leider nur selten zu sehen bekommt – steht ein Altar aus marmoriertem Holz mit einem Bilderzyklus zum Kirchenpatron Johannes von Nepomuk; die Altarbilder stammen von Franz Sebald Unterberger aus dem Fleimstal. Seit 1950 steht das Kirchlein unter Denkmalschutz. Weitere Hintergründe findest du bei suedtirol.info und bei Outdooractive.
Der Fotostandpunkt – und die kostenlose Alternative
Für die klassische Perspektive mit den Geislerspitzen im Hintergrund wurde am Rand der eingezäunten Wiese eine Aussichtsplattform angelegt, zugänglich über ein Drehkreuz gegen eine Gebühr von etwa 4 €. Das Geld fließt in den Erhalt der Wiese und des Zauns – ein Zaun, den der Bauer errichten musste, weil ihm die Fotografen buchstäblich die Ernte zertrampelt haben.
Wer nicht zahlen möchte: Ein kostenloser Blick ergibt sich von der Straße etwas oberhalb des Kirchleins. Die Perspektive ist leicht erhöht, das Motiv fast identisch – gut beschrieben im Fotospot-Guide von BinMalKürzWeg und bei Mountain Moments.
Lage auf Google Maps ansehen →
Ansitz Ranuihof
Direkt nebenan steht der Ansitz Ranuihof, ein ehemaliger Jagdansitz mit Wurzeln im 12. Jahrhundert und heute Bed & Breakfast. Das Kirchlein gehört zum Hof – wer dort übernachtet, hat einen anderen Zugang zum Ensemble als Tagesgäste. Zum benachbarten Ranuimüllerhof sind es nur wenige Minuten.
Zanser Alm und Naturpark Puez-Geisler
Am Talschluss beginnt der Naturpark Puez-Geisler, Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten. Bei der Zanser Alm gibt es einen Dolomites UNESCO Info Point, dazu Einkehrmöglichkeiten wie die Zanser Schwaige. Von hier starten die bekanntesten Touren des Tals – allen voran der Adolf-Munkel-Weg, im Volksmund „Geislerkino“, und der Weg zur Geisleralm mit Spielplatz und großer Sonnenterrasse.
St. Magdalena und das übrige Tal
Der zweite große Fotoklassiker des Tals ist das Dorf St. Magdalena mit seiner Kirche vor der Geislergruppe, wenige Minuten talauswärts. Villnöss ist außerdem die Heimat von Reinhold Messner – ein guter Überblick über das Tal findet sich bei suedtirolerland.it und VIVO Südtirol.
Im Winter verwandelt sich der Talschluss: Die Rodelbahn Tschantschenon führt von 1.800 m hinunter zur Zanser Schwaige, und die Geisleralm lädt zum Mondscheinrodeln.
Bitte beachtenRegeln für Touristen
Das Kirchlein ist kein Freilichtmuseum, sondern Teil eines aktiven Bauernhofs und ein geweihtes Gebäude. Die folgenden Punkte sind keine Schikane – sie sind der Grund, warum dieser Ort überhaupt noch so aussieht.
Was gilt
- Die eingezäunten Wiesen nicht betreten. Sie sind Privatbesitz und werden als Futterwiese bewirtschaftet. Über den Zaun klettern ist Hausfriedensbruch, nicht Abenteuer.
- Nicht mit der Drohne fliegen, außer mit ausdrücklicher Genehmigung. Große Teile des Villnösstals stehen unter Naturschutz, und über Privatgrund und Menschenansammlungen gelten ohnehin strenge Regeln.
- Nicht am Straßenrand oder auf Hofzufahrten parken. Landwirtschaftliche Fahrzeuge müssen jederzeit durchkommen.
- Kein Müll – auch keine Bananenschalen oder Taschentücher. Es gibt vor Ort kaum Entsorgungsmöglichkeiten.
- Nicht lautstark auftreten, besonders früh morgens. Rund um das Kirchlein wird gewohnt und gearbeitet.
- Auf den Wegen bleiben und Gatter wieder schließen.
- Hunde an die Leine – im Tal weidet Vieh.
- Die Zugangsgebühr zahlen, wenn du die Nahperspektive willst. Vier Euro sind ein fairer Preis für ein Motiv, das sonst niemand pflegen würde.
- Respekt vor dem Sakralbau: Das Kircheninnere bleibt in der Regel geschlossen. Wer es sehen möchte, erkundigt sich vorab beim Tourismusverein Villnöss oder direkt am Ranuihof.
- Anreise mit dem Bus prüfen. Das ist an Sommerwochenenden fast immer die schnellere Lösung.
Bester Zeitpunkt für den Besuch: früher Morgen oder später Nachmittag. Zwischen 11 und 16 Uhr ist im Sommer am meisten los, und das Licht steht dann ungünstig. Im Frühling leuchten die Wiesen, im Herbst sind die Lärchen golden, und nach Neuschnee ist das Motiv am ruhigsten – dann hat man den Talschluss oft fast für sich.
Stand: Juli 2026. Preise für Eintritt und Parkplätze sowie Fahrpläne können sich ändern – bitte vor Ort oder online prüfen. Aktuelle Informationen: villnoess.com · villnoess.eu (Gemeinde) · suedtirolmobil.info · Sentres (EN)