Reschensee, Der versunkene Kirchturm, Anfahrt, Parken, Aktivitäten


Obervinschgau · Südtirol · Dreiländereck

Der See kam.
Der Turm blieb.

Am 9. Juli 1950 verschwand Alt-Graun unter dem Wasser des neuen Speichersees. Geblieben ist ein romanischer Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert, der bis heute aus dem Reschensee ragt – das bekannteste Fotomotiv Südtirols und zugleich ein Mahnmal. Diese Seite zeigt dir, wie du hinkommst, was hier passiert ist und was du rund um den See unternehmen kannst.

  • 1.498 m Seespiegel
  • ~6,6 km² Wasserfläche
  • 1357 Kirche geweiht
  • 22 m Turm über Wasser

Anfahrt & Parken 1949 / heute vergleichen

Kapitel 01 · Hinkommen

Anfahrt und Parken am Reschensee

Der Reschensee liegt direkt an der Staatsstraße SS40 zwischen den Dörfern Reschen und Graun im Vinschgau. Der Kirchturm steht am Ostufer – du fährst zwangsläufig an ihm vorbei. Der Reschenpass (1.507 m) ist mautfrei und ganzjährig geöffnet.

Aus dem Norden

Inntalautobahn A12 bis Landeck, dann über Pfunds und Nauders auf der B180 zum Reschenpass. Ab der Grenze heißt die Straße SS40 und führt am Westufer entlang. Vom Pass bis zum Kirchturm sind es rund sechs Kilometer.

Landeck → Graun: ca. 55 km, 1 Std.

Aus dem Süden

Brennerautobahn A22 bis Bozen Süd, weiter auf der MeBo nach Meran, dann auf der SS38 durch den Vinschgau bis Spondinig und Mals. Ab Mals bringt dich die SS40 in Serpentinen hinauf zum See.

Bozen → Graun: ca. 120 km, 2 Std.

Aus der Schweiz

Zwei Varianten: durchs Unterengadin über Martina und Nauders zum Pass, oder über den Ofenpass und das Val Müstair nach Taufers und Mals. Beide Routen sind landschaftlich grandios und ganzjährig befahrbar.

Zernez → Graun: ca. 65 km, 1 Std. 20

Wo du parkst

Rund um den See gibt es mehrere offizielle Parkplätze. Der bequemste liegt direkt beim Turm, ist aber der teuerste. Wer länger bleibt, parkt günstiger ein paar hundert Meter weiter und geht am Ufer entlang.

  • Parkplatz Kirchturm Direkt an der SS40, mit Aussichtsplattform und Infopoint. Kurzer Weg zum Ufer, ideal für den Fotostopp. gebührenpflichtig · ca. 2 €/Std.
  • Parkplatz Stockerhof Benannt nach dem Weiler, der bei der Flutung verschwand. Infotafeln zur Geschichte, günstiger als der Turmparkplatz. gebührenpflichtig · günstiger
  • Kite-Wiese am Ortsende von Graun Startpunkt der Kitesurfer und guter Einstieg in den Seerundweg – zu Fuß oder mit dem Rad. gebührenpflichtig · Tagesparker
  • Wohnmobilstellplatz Westufer Der einzige Platz, an dem auch nachts gegen Gebühr gestanden werden darf. Übernachtung erlaubt
Gut zu wissen: An den meisten Parkplätzen gilt zwischen 22 und 6 Uhr Parkverbot – die Zeiten stehen an der Einfahrt. Menschen mit Behindertenausweis parken auf mehreren Plätzen kostenlos. Gebühren und Regelungen ändern sich, prüfe die Beschilderung vor Ort.

Kirchturm in Google Maps öffnen

Ohne Auto anreisen

Mit der Vinschgerbahn von Meran oder Bozen bis Mals, dort in den Linienbus Richtung Reschen und Nauders umsteigen. Der Bus hält in Graun am See, von der Haltestelle sind es wenige Minuten zum Turm. Ab Meran dauert die Fahrt etwa anderthalb Stunden. Wer in der Ferienregion übernachtet, bekommt meist eine Gästekarte für den öffentlichen Nahverkehr dazu.

Radfahrer kommen über die Via Claudia Augusta beziehungsweise den Vinschgauer Radweg – am See beginnt die lange Abfahrt Richtung Mals und weiter bis Meran. Tourenvorschläge und Höhenprofile findest du im Bergportal.

Beste Tageszeit

Am frühen Morgen liegt der See oft spiegelglatt, der Turm steht dann ohne Menschenmenge im Bild. Ab dem späten Vormittag frischt der Wind auf – gut für Kitesurfer, schlecht für Spiegelungen. Im Hochsommer sind Parkplätze zwischen 11 und 16 Uhr regelmäßig voll.

Wintertipp: Von Januar bis Februar friert der See meist zu. Betritt die Eisfläche nur, wenn sie vor Ort ausdrücklich freigegeben ist.

Kapitel 02 · Das versunkene Dorf

Die Geschichte des Reschenstausees

Vor 1950 lagen hier drei kleine Seen in einem breiten, grünen Talboden: der Reschensee, der Mittersee und der Haidersee. Dazwischen Wiesen, Höfe und zwei Dörfer. Dann kam der Damm.

Luftbild von Alt-Graun vor der Flutung: Dorf, Pfarrkirche St. Katharina und der ursprüngliche Grauner See
Der Reschensee heute: nur der Kirchturm von Alt-Graun ragt aus dem Wasser
vor 1950 heute
Regler ziehen, klicken oder mit den Pfeiltasten steuern. Links das Tal mit Alt-Graun und der Pfarrkirche, rechts derselbe Blickwinkel mit dem aufgestauten See.

Links das Dorf Graun mit der Pfarrkirche St. Katharina vor dem Aufstau, rechts derselbe Talkessel als Speichersee. Achte beim Austausch der Bilder darauf, dass beide dasselbe Seitenverhältnis haben – der Rahmen ist auf 3:2 eingestellt.

Ein Projekt, drei politische Systeme

Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es Pläne, die Etsch im Obervinschgau aufzustauen – zunächst um wenige Meter. Unter dem Faschismus wuchs das Vorhaben: Der Konzern Montecatini erhielt die Konzession für ein Großkraftwerk, das die drei Seen zu einem einzigen Speicher vereinen sollte. Der Krieg unterbrach die Arbeiten, nach 1947 wurde weitergebaut – trotz Protesten, Eingaben nach Rom und einer Bittschrift an den Papst.

Die Bevölkerung sprach mehrheitlich Deutsch, die Entscheidungen fielen in Mailand und Rom. Enteignet wurde zu Preisen, die kaum reichten, um anderswo neu anzufangen. Viele Familien wanderten ab.

Was verloren ging

Beim Aufstau verschwanden Alt-Graun, Teile von Reschen und mehrere Weiler. Mehr als 500 Hektar bester Kulturgrund versanken, rund tausend Menschen verloren ihr Zuhause. Die Kirche selbst wurde gesprengt; nur der romanische Glockenturm blieb stehen, weil er unter Denkmalschutz stand.

Auch der Friedhof lag im Flutungsgebiet. Erst massiver Widerstand verhinderte, dass er einfach einbetoniert wurde – die Gräber wurden auf den neuen Friedhof oberhalb des Sees verlegt, wo sie bis heute zu sehen sind.

  1. 1357

    Die Pfarrkirche St. Katharina in Graun wird geweiht. Ihr Glockenturm ist rund 36 Meter hoch.

  2. 1920er

    Erste konkrete Kraftwerkspläne für den Obervinschgau, zunächst mit geringem Stauziel.

  3. 1939

    Die Genehmigung für den großen Speicher wird erteilt. Zeitgleich läuft die Option: Umsiedlung oder Bleiben.

  4. 1947

    Baubeginn am Erddamm. Enteignungen, Abbrüche, Proteste – die Dörfer wehren sich vergeblich.

  5. 1949/50

    Häuser werden abgetragen, die Kirche gesprengt, die Glocken abgenommen. Der Turm bleibt als Baudenkmal stehen.

  6. 9. Juli 1950

    Das Wasser steigt. Aus Reschensee und Mittersee wird ein rund sechs Kilometer langer Speicher.

  7. ab 1951

    Graun und Reschen entstehen neu, höher am Hang. Der Damm ist 31 Meter hoch und 467 Meter lang.

  8. heute

    Der Turm ist Wahrzeichen und Mahnmal zugleich. Rund um ihn erinnern Stege, Infopunkte und ein kleines Museum an das Dorf.

Kapitel 03 · Draußen

Wanderungen und Aktivitäten in der Umgebung

Rund um den See liegen etwa 200 Kilometer markierte Wege, dazu drei Bergbahnen, über dreißig Dreitausender in Sichtweite und ein Dreiländereck, an dem Südtirol, Nordtirol und Graubünden zusammentreffen. Vom flachen Uferweg bis zum Gipfel ist alles dabei. Detaillierte Tourenbeschreibungen und Karten findest du im Bergportal.

15 km · ca. 4 Std. · +100 hm

Reschensee-Rundweg

Der Klassiker: einmal um den ganzen See, fast eben, mit ständig wechselndem Blick auf den Turm und bis zum Ortler. Zu Fuß ein halber Tag, mit dem Rad gemütliche zwei Stunden. Auch mit Kinderwagen weitgehend machbar.

9–12 km · ca. 4 Std. · +600 hm

Etschquelle & Panzersperre Plamort

Start unterhalb des Sportplatzes in Reschen, kurzer Abstecher zur Etschquelle, dann hinauf auf das Hochmoor Plamort. Oben stehen die „Drachenzähne“ einer Panzersperre von 1938, dazu begehbare Bunker – Geschichte und Panorama in einer Runde. Im Winter eine schöne Schneeschuhtour.

2.808 m · ca. 6 Std. · +900 hm

Piz Lad – der Dreiländerblick

Aufstieg meist ab der Reschner Alm. Vom Gipfelkreuz siehst du in drei Länder, hinunter auf den See und hinüber ins Engadin. Wer früh startet, erlebt den Sonnenaufgang über dem Wasser – im Sommer wird die Tour auch geführt angeboten.

2.000 m · Almwege · familientauglich

Rojental & Maseben

Das Seitental hinter Reschen führt zum höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Weiler Südtirols. Weiter oben liegt die Berghütte Maseben auf 2.267 Metern mit einer eigenen Sternwarte – Führungen zum Nacht- und Sonnenhimmel gibt es auf Anmeldung.

Auf dem Wasser und im Schnee

Der Reschensee gilt wegen seiner zuverlässigen Nord- und Südwinde als einer der besten Kitespots der Alpen; der Hauptspot liegt am Ortsende von Graun. Im Hochwinter friert die Fläche zu, dann übernehmen Snowkiter und Eisläufer – Ende Januar findet regelmäßig ein internationales Snowkite-Rennen statt. Zum Baden ist das Wasser auf 1.500 Metern selbst im August eine Mutprobe.

Für Skifahrer und Biker sind die verbundenen Gebiete Schöneben und Haideralm der Ausgangspunkt, dazu kommen die Drei-Länder-Enduro-Trails.

Eis ist nie sicher. Betritt die zugefrorene Seefläche nur, wenn sie örtlich freigegeben ist, nie allein und nie bei Tauwetter. Der Wasserstand des Speichers schwankt, dadurch kann die Eisdecke stellenweise hohl liegen.

Ausflüge für graue Tage

Wenn es am Pass regnet, lohnt die Fahrt talauswärts: die Fürstenburg in Burgeis, das Kloster Marienberg als höchstgelegene Benediktinerabtei Europas, das winzige Stadtl Glurns mit vollständigem Mauerring und die Churburg in Schluderns.

Ein ganz anderes Naturschauspiel sind die Erdpyramiden Südtirols – bis zu dreißig Meter hohe Lehmtürme mit Steinhut, entstanden aus Moränenmaterial. Wege, Anfahrt und die besten Aussichtspunkte sind auf erdpyramiden.it beschrieben; passende Wanderungen dorthin findest du wiederum im Bergportal.

Kapitel 04 · Bleiben

Verpflegung und Unterkünfte

Die Ferienregion besteht aus Reschen, Graun, St. Valentin auf der Haide und den Weilern im Rojental und Langtauferer Tal. Alles ist klein, alles ist nah – und die Küche ist Vinschger Hausmannskost mit Blick aufs Wasser.

Am See

Rund um den Turmparkplatz und entlang der Seepromenade in Reschen gibt es Cafés, Bars und Gasthäuser – gut für Kaffee und Kuchen nach der Turmrunde. Im Sommer sind die Terrassen mittags voll, abends wird es ruhig.

Auf dem Berg

Die Bergstationen Schöneben und Haideralm haben große Sonnenterrassen, im Rojental und rund um Maseben kehrst du auf urigen Almen ein. Öffnungszeiten hängen an der Saison der Bergbahnen – vorher kurz prüfen.

Auf dem Hof

Hofschanken und Buschenschänken servieren, was der Betrieb selbst erzeugt: Käse, Speck, Butter, Brot. Oft nur an wenigen Tagen geöffnet, dafür der ehrlichste Einblick in die Milchwirtschaft, die das Tal bis heute prägt.

Was du probieren solltest

  • Vinschger Paarl – flaches Roggenbrot mit Fenchel und Kümmel, das Brot der Region.
  • Marende – die Brettljause aus Speck, Kaminwurzen, Käse und Paarl.
  • Schlutzkrapfen – Teigtaschen mit Spinat und Ricotta, in brauner Butter.
  • Gerstsuppe – wärmt nach jeder Wanderung, besonders im Herbst.
  • Apfelstrudel – aus Vinschger Äpfeln, die weiter unten im Tal wachsen.

Übernachten

Vom Seehotel mit Panoramafenstern über Pensionen und Ferienwohnungen bis zum Urlaub auf dem Bauernhof ist alles vertreten, dazu ein Campingplatz und der Wohnmobilstellplatz am Westufer. Wer wandern will, wohnt praktisch in Reschen oder St. Valentin, wer fotografieren will, in Graun.

Hochsaison sind Juli/August und die Wochen um die Snowkite-Events im Januar – dann früh buchen. Ruhig und günstig sind Juni und die zweite Septemberhälfte, wenn die Almen noch offen sind und das Licht am besten wird.

Verfügbarkeiten und Gästekarte über die offiziellen Portale der Ferienregion Reschenpass und des Vinschgaus.

Häufige Fragen

Kann man zum Kirchturm hinauslaufen?

Im Sommer nur bei sehr niedrigem Wasserstand, wenn ein schmaler Damm frei liegt – das ist nicht jedes Jahr der Fall. Im Hochwinter führt bei tragfähigem Eis ein getretener Pfad hinüber. Verlass dich nie auf Fotos aus dem Vorjahr, sondern auf die Lage vor Ort.

Wie tief steht der Turm im Wasser?

Bei Vollstau rund sieben Meter. Sichtbar bleiben etwa 22 der ursprünglich rund 36 Meter. Weil der Speicher bewirtschaftet wird, schwankt der Pegel im Jahreslauf deutlich – im Frühjahr liegt oft ein breiter Uferstreifen frei.

Kann man den Turm besichtigen?

Von innen nein, er ist gesichertes Baudenkmal. Rund um den Uferbereich gibt es Stege, eine Aussichtsplattform und Infopunkte, dazu ein kleines Museum zur Geschichte von Alt-Graun im Ort.

Wann ist die beste Reisezeit?

Juni bis Anfang Oktober für Wanderungen, Januar und Februar für Eis, Schnee und Snowkiting. Der Reschenpass ist ganzjährig offen, Winterausrüstung am Auto ist in der kalten Jahreszeit trotzdem Pflicht.




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